Im Gespräch//Inklusion ist ein Prozess

Vier Fragen an Nadine Dziabel, die beim eeb Nordrhein für den Themenschwerpunkt Inklusion zuständig ist.

Was heißt Inklusion? Dass ganz verschiedene Menschen zusammenkommen, zusammen leben, zusammen arbeiten, zusammen lernen, zusammen ein Ganzes bilden, das ist meine Vision von Inklusion. Als Heilpädagogin habe ich da natürlich vor allem Menschen mit Behinderungen im Blick, aber es geht um ein weites Verständnis von Inklusion und eine grundsätzliche Wertschätzung von Vielfalt.

Wieso ist Inklusion ein wichtiges Zukunftsthema der Erwachsenenbildung - insbesondere der evangelischen Erwachsenenbildung? Es gehört zum Selbstverständnis der Einrichtungen der Weiterbildung, dass ihre Angebote für alle offen sind. Dieser Anspruch findet sich nicht nur in der UN-Behindertenrechtskonvention und klar formuliert im Weiterbildungsgesetz des Landes, es ist auch ein Anspruch, der sich seit jeher aus dem Selbstverständnis der Evangelischen Kirche ergibt: Alle gehören dazu! Leider sind auch heute noch viele Menschen mit Behinderungen – vor allem diejenigen mit kognitiven Beeinträchtigungen – trotz vieler positiver Entwicklungen nicht selbstverständliche Teilnehmenden von Angeboten der Erwachsenenbildung. Das müssen wir in Zukunft ändern!

Welche Voraussetzungen braucht Inklusion? Grundsätzlich müssen Angebote so gestaltet sein, dass niemand aufgrund seiner Verschiedenheit nicht daran teilnehmen kann. Das bedeutet zum Beispiel, dass Programminformationen auch in Leichter Sprache verfügbar und Veranstaltungsorte barrierefrei nutzbar und erreichbar sein müssen. Häufig stellen sich auch Fragen nach Förderung und Finanzierung. Und es müssen Vermittlungskonzepte für inklusiven Lerngruppen entwickelt werden. Inklusion in der Erwachsenenbildung steckt noch in den Kinderschuhen und hier gilt es, gemeinsam – auch mit Betroffenen – Konzepte zu entwickeln.

Muss jedes Bildungsangebot für alle zugänglich sein? Oder wo sind die Grenzen der Inklusion? Natürlich haben auch „exklusive“ Bildungsangebote ihre Berechtigung: ein Anfänger ist wohl in einem Fortgeschrittenenkurs für Französisch nicht gut aufgehoben und in manchen Fällen kann es durchaus sinnvoll sein, wenn Menschen mit Unterstützungsbedarf auch allein unter sich die Möglichkeit haben, bestimmte Themen zu bearbeiten. Wichtig sind eine positive Haltung gegenüber Verschiedenheit und das Streben, wo immer es möglich ist, Inklusion zu leben. Denn Inklusion ist kein Zustand, sondern ein Prozess oder besser:  eine beständige gemeinschaftliche Praxis.