Herzenssprechstunde

Herzenssachen sind eine starke Motivationsquelle für berufliches und für freiwilliges Engagement. Sie sind fast immer mit der persönlichen Lebensgeschichte eines Menschen verbunden. Sie bieten Anknüpfungspunkte für Kommunikation und gemeinsames Handeln. Und stärken den Zusammenhalt von Gruppen.

Der Herzenssprechstunden-Koffer (Foto: Silke Knoll)

Die Erfindung der Herzenssprechstunde

Auf der Suche nach einem geeigneten Format zur Auseinandersetzung mit den persönlichen Herzenssachen haben Ursula Brinkschulte, Günter Friedeler und Karin Nell die „Herzenssprechstunde“ erfunden. Ursprünglich war sie als ein Angebot für vereinsamte alte Menschen gedacht: eine kleine, feine Gesprächsrunde für sechs bis acht alte Menschen am Mittwochnachmittag im Wartezimmer einer Arztpraxis. Inzwischen gibt es Herzenssprechstunden auch in Gemeindehäusern, Museen, Familienzentren und demnächst auch in Frisiersalons (montags!). Das Konzept wird in der innovativen Quartiersarbeit, in der beruflichen Weiterbildung und in der Seelsorge erprobt. Multiplikatoren-Fortbildungen zur herzenssprechstunde gibt es in Hannover, Hamm, Karlsruhe, Kiel, München, Dortmund, Freiburg, Nürnberg und Erfurt.

Die Herzenssprechstunde ist ein Kulturprogramm

Herzenssprechstunden sind ein Kulturprogramm, kein therapeutisches Gesprächsangebot. Die Arbeit basiert auf Methoden der modernen Kulturvermittlung. Großen Einfluss auf Inhalt und Struktur haben die Organisationsentwicklungstheorie „Theorie U“ von C. Otto Scharmer (2013) und das Keywork-Konzept (Knopp und Nell 2015).

Arbeitsmaterial und Leitung

Wichtiges Arbeitsmaterial ist der Herzenskoffer. Er enthält eine Fülle von Material rund um das Thema Herz, das im Hinblick auf die jeweilige Zielgruppe sorgfältig zusammengestellt wird: Lebkuchenherzen, Kunstkarten, Schlagertexte, Glanzbilder, Liebesromane, Süßigkeiten, Kinderzeichnungen, Gedichte, Bibelsprüche, Märchenbücher – aber auch Werkzeuge und technische Geräte, die (Männer-)Herzen höher schlagen lassen. Die Herzenssprechstunden werden in der Regel von zwei Personen – meist geschulten Freiwilligen – geleitet. Es finden insgesamt sechs Treffen á zwei Stunden statt. Dabei geht es um Fragen wie: Welche Worte berühren mein Herz? Welche Musik erfreut mein Herz? Welche Kontakte stärken mein Herz? Welche Menschen, welche gesellschaftlichen Themen liegen mir besonders am Herzen Mehr zu Themen, Methoden, Ablauf der Herzenssprechstunden finden Sie hier.

Ziele der Herzenssprechstunde

Neue Kontakte knüpfen, gemeinsam Pläne schmieden und sich für persönliche Herzenssachen zu engagieren - das sind die Ziele der Herzenssprechstunde. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass sich die Menschen nicht überfordern oder vorschnell langfristig verpflichten. Vielmehr werden sie ermutigt, überschaubare Aktionen und zeitlich begrenzte (Mikro-)Projekte in ihrem nachbarschaftlichen Umfeld zu realisieren. Erste Erfahrungen zeigen, dass – mit Unterstützung der neu aufgebauten kleinen Netzwerke – Menschen in eigener (Herzens-)Sache aktiv werden und oft neue Wege beschreiten.

Infos

Karin Nell
nell@eeb-nordrhein.de