Erasmus-Projekt „Train the unknown Trainer“ in Budapest

Wie engagieren sich Ehrenamtliche in Ungarn für Flüchtlinge? Das erlebten die Teilnehmenden einer Tagung des Projekts „Train the unknown trainer“ in Budapest. Carolin Ulbricht war für das eeb Nordrhein dabei und beschreibt ihre Eindrücke aus der Transitzone Tompa an der ungarisch-serbischen Grenze.

Gestern ging es in die Transitzone Tompa an der ungarisch-serbischen Grenze. Hier sind die Geflüchteten während ihres Asylverfahrens untergebracht. Während sie auf ihre Anerkennung warten, werden sie dort mit allem Lebensnotwendigen versorgt: Sie erhalten fünf Mahlzeiten am Tag, hygienische Versorgung, medizinische und psychologische Versorgung und sozialpädagogische Begleitung.

Nach langwieriger Prüfung unserer Identitäten bekamen wir die Möglichkeit, das Innere des Lagers zu besuchen. Es ging zunächst an den blauen Containern der Wachmannschaften vorbei, in denen auch juristische Beratung angeboten und die Asylverfahren geklärt wurden. Für uns ging es weiter in einen Container, der als Besprechungsraum genutzt wurde. Wir konnten uns mit Sozialarbeitern unterhalten, die uns den Alltag im Tompa schilderten, und fünf ehrenamtlichen Helfern treffen. Sie gehen mehrmals im Monat für drei Stunden mit Geigen, Spielzeug und Müsliriegeln ins Lager, um den Menschen ein bisschen Lebensfreude und Herzlichkeit zu vermitteln.

Die Flüchtlinge sind in verschiedenen Sektoren untergebracht. So geht es für uns zunächst in einen abgegrenzten und mit Zäunen umgebenen Hof, in dem minderjährige männliche Flüchtlinge untergebracht sind. Der Hof ist von etwa zwölf Wohncontainern umgeben, in denen jeweils bis zu fünf Menschen schlafen können. Es gibt darin Betten, ein bisschen Schrank und einen Tisch. Neben den Wohncontainern gibt es Sanitär-, Wasch- und Gemeinschaftscontainer pro Hof. Im Hof, auf dem es kein Schattenplätzchen gibt, spielen die Jugendlichen auf dem Schotter in der prallen Sonne Fußball, immer darauf bedacht, den Ball nicht zu hoch zu schießen, damit er nicht vom Stacheldraht aufgespießt wird.

Nachdem die Wachleute uns aus dem abgeschlossenen Hof herauslassen, gehen wir in den Sektor, in dem Familien untergebracht sind. Die Familien leben jeweils in einem Container zusammen, besonders große Familien erhalten zwei Container. Hier ertönt Geigenmusik über den Hof. Sofort kommen Kinder in Scharen, gefolgt von ihren Eltern, und lauschen der Musik. Im Gemeinschaftsraum hängen Poster, die deutlich machen, wie viele Personen Familienangehörige suchen. An den Wänden hängen einige von den Kindern gemalte Bilder.

Außerhalb des Familienhofes steht ein komplett verdorrter Tannenbaum. Er war letztes Jahr der Weihnachtsbaum. Bäume oder Sträucher gibt es keine in den mit Schotter bedeckten Höfen.